
Künstlerische Haltung, Mut und Experiment. Frei nach dem Zitat des thailändischen Künstlers Rirkrit Tiravanija „Less Oil More Courage“ positioniert sich die Kunsthalle Fridericanum unter der Künstlerischen Leitung von Rein Wolfs als ein Ort für mutige Experimente, neue künstlerische Haltungen und gesellschaftlich relevante Inhalte. Nicht in erster Linie die ‚ölmalerische’ Tradition, sondern gestische, Performance bezogene und ‚humane’ Kunst wird im Programm der Kunsthalle groß geschrieben. Im ältesten öffentlichen Museumsgebäude des europäischen Festlandes werden neue Energien freigesetzt, um damit an die Tradition des Fridericanums (mit Erdkilometer, Beuys’schem Denken und documenta-Experimenten) anzuknüpfen. Ambitioniert und engagiert will die Kunst sein, die hier präsentiert wird. Menschlich, human will sie sein, mit hier und da einem Funken Erhabenheit - ein Plädoyer für die noch zu formulierenden Voraussetzungen einer Menschlichkeit des 21. Jahrhunderts. Die Kunst der Kunsthalle Fridericanum will berühren, die Besucher/innen nie unberührt lassen!

Mit der innenarchitektonischen Neugestaltung des Foyers wurde der international angesehene niederländische Designer Richard Hutten beauftragt. Er entwarf speziell für das Fridericianum ein neues Möbelelement. Funktional und gleichsam formal überzeugend verleiht Huttens Foyertresen dem Eingangbereich der Kunsthalle eine veränderte Ästhetik. Als lang gezogene monochrom schwarze Theke von massiver Erscheinung bildet das Möbelstück einen kraftvollen Kontrast zu den hellen Natursteinen der Wände und den weiß getünchten Säulen des klassizistischen Museumsbaus. Die Konstruktion besteht aus Styropor mit einer Ummantelung aus Epoxid und Polyurethan.
Der Foyertresen wird durch 14 Sitzmöbel ergänzt, die als Hocker je einen Buchstaben formen. Gemeinsam und in die richtige Reihenfolge gebracht, ergeben sie den Begriff „entartete Kunst“. Hier zeigt Hutten im Besonderen seine pointierte Interaktion mit dem Gebäude, das seit 1779 als Ort der Kunst, Kultur, aber auch der Politik Zeitzeuge verschiedenster Regime war. Nicht zuletzt reflektiert Huttens Arbeit damit konkret die Vorgeschichte der ersten documenta, bei der Arnold Bode eine Reihe jener Kunstwerke ausstellte, die von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemt wurden.
Der Rotundenbereich im Erdgeschoss wird neu genutzt: Der Raum heißt fortan Roboter und ist ein Ort der Begegnung – mit Kunst und Menschen. Roboter soll auf einer weiteren Ebene einen Zugang zur Kunst schaffen: Er wird für Veranstaltungen genutzt und experimentiert mit neuen Formen der Kunstrezeption.
Kunstwerke, die mit den Ausstellungen der Kunsthalle in Verbindung stehen, werden dort präsentiert - momentan sind Arbeiten von Marc Bijl, Latifa Echakhch und Navid Nuur zu sehen. Durch WLAN und Kunstzeitschriften wird Roboter zu einem Arbeitsraum erweitert. Die Verpflegung erfolgt über Automaten.