schrieb am 06.03.2009 16:43 Das Fridericianum scheint ein Ort der Kunst zu werden, der im Unterschied zu all den promoteten, gecasteten, gestylten und gehypten geldgeilen Kunstwarenhäusern durch seine Künstlerwahl deutlich macht: Kunst kann man nicht kaufen, sie muß sich im Betrachter ereignen, so wie sie sich im Künstler ereignet hat. Hier erlebt man: Im Kunstwerk kommt der Mensch zum Besten seiner selbst.
Der Büchel und die Liden sind helle Sonnen deren Glanz uns den Weg weist.
Ich hoffe dieser Ausstellungsort bleibt uns in dieser Qualität erhalten!
schrieb am 09.02.2009 09:26 Gemischte Tüte
Unzusammenhängende Bemerkungen zu einem Vortrag von Professor Holzapfel
über Cyprien Gaillards Pruitt-Igoe Falls
Holzapfel glaubt in der Arbeit Cyprien Gaillards etwas ganz Neues zu sehen. „Traditionelle“ Landschaftsdarstellungen haben nach Holzapfel, wenn ich ihn recht verstanden habe, ein Moment des „Integrativen“. Das heißt, so vermute ich, dass die einzelnen Elemente solcher Darstellung nicht einfach zufällig oder beziehungslos nebeneinander stehen, sondern zu so etwas wie einem Sinn-Ganzen integriert sind. Man könnte vielleicht auch sagen, dass eine solche Darstellung einer gewissen Logik folgt. Und hier, so habe ich es verstanden, sieht Holzapfel die „Innovation“ Cyprien Gaillards. Seine Natur- und Architekturlandschaften sind nicht mehr in dieser traditionellen Weise integriert, es stehen satt dessen disparate Elemente manchmal unverbunden nebeneinander – die Bildlogik ist gleichsam eine Unlogik geworden.
Ich hoffe, dass ich das einigermaßen richtig wiedergegeben habe. Sicher bin ich natürlich nicht, denn es liegen zwei Einwände auf der Hand, die Holzapfel eigentlich kaum entgangen sein können.
Erstens – neu?
Man kann unmöglich annehmen, dass das Aufheben oder Sprengen der inneren Bildlogik (oder vergleichbarem) für zeitgenössische Kunst oder Künstler etwas Neues darstellt. Vielmehr ist das – polemisch formuliert – eine Grundmelodie dessen, was man manchmal die Postmoderne nennt. Da wir, um gleich den passenden Jargon zu verwenden, das berühmte Ende der großen (integrierenden) Erzählungen erlebt haben, was heißt, dass wir keine (die pluralen und oft widerstreitenden Sprach- und Bildspiele übersteigende und integrierende) Metaperspektive mehr kennen oder zu kennen glauben, haben viele Künstler uns jenen „Scherbenhaufen“ zu zeigen versucht, vor dem wir stehen, wenn denn eine solche tadelnde Sprechweise überhaupt angemessen ist. Eine alles integrierende Brille können wir nicht mehr tragen, sie würde uns nur ein ganz verzerrtes Bild liefern – siehe die Brillenobjekte von Daniel Knorr, die im Vortragsraum zu sehen waren.
Zweitens – nicht integriert?
Cyprien Gaillard hat den Globus bereist und Bilder gesammelt. Ob diese nun eigentümlich oder archetypisch sind, ob sie unter ein Schema fallen oder sich solchem entziehen - wie auch immer: sie werden der kontingenten ästhetischen Form der Präsentation Cyprien Gaillards einverleibt. Was auch immer der Künstler vor Ort gesehen haben mag, wir sehen es bloß durch den gleichmachenden Fehlfarben-Filter der Polaroids. Sprich: wir sehen es eben nicht. Welche Stelle das Dargestellte im je besonderen Sinngefüge seines eigenen Kontextes auch hatte, es wird nun zu einer Stelle der hundert stets gleichbleibenden Rahmen und des gleichmachenden Rasters der sorgsam arrangierten Polaroids des Künstlers. Die Bilder werden alle gleich gültig. (Ein „Vorwurf“, der einem bekannt vorkommen mag :-)
Der Künstler schafft somit seine ganz eigene gleichgeschaltete Bilderflut. Integration ist im Grunde das Hauptmerkmal dieses aufgeblätterten Archives. Und Integration kann eben immer auch Moment der Gewalt inne haben ... Was Holzapfel zum Aspekt der (Des-)Integration in Cyprien Gaillard Arbeit vorgetragen hat, war freilich nicht falsch, aber – wie soll ich sagen – vielleicht etwas undialektisch :-)
Zeit, Geschwindigkeit und Sinn
Holzapfel bietet eine Variation der Losung der Französischen Revolution als Charakterisierung der Moderne an. Statt von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit spricht er (falls mich meine Erinnerung nicht trügt) von Gleichheit, Selbstbestimmung und Geschwindigkeit.
Der Begriff „Geschwindigkeit“ ist für meine Zwecke anschlussfähig :-) Also noch ein paar Sätze dazu: Wenn es stimmt, wie ich weiter oben angedeutet habe, dass es der Ort in einer Struktur ist, der den Sinn von etwas ausmacht, dann muss ich dringend hinzufügen, dass vieles (nicht alles) von dem was Cyprien Gaillard abpolaroidiert hat, von der Zeit längst überholt ist, weil die das Sujet tragende Struktur, das sinnstiftende Gefüge oft bereits verfallen ist. Sinn ist flüchtiger als Stein. Signifikanten, denen der lebendige Kontext abhanden gekommen ist, die also in gewisser Hinsicht tot sind, Grabsteine gleichsam, haben es Cyprien Gaillard besonders angetan.
Aber halt: Denn eigentlich ist diese strukturalistische Beschreibung nicht ganz richtig. Besser schriebe ich daher von Prozessen statt von Strukturen, um einen Begriff zu nutzen, dem Zeit gleichsam schon eingebaut ist. (Ich gehe damit in Gedanken einen Raum weiter zu Cyprien Gaillards bewegender Videoarbeit.)
Da für eine hauptsächlich ökonomisch prozessierende Gesellschaft Zeit in der Regel Zukunft heißt, werden eben hier und da Sprengungen des Vergangenen nötig :-) Eine solche Sprengung macht, wenn man so will, symbolisch einen unauflösbaren Konflikt sichtbar. Der Konflikt nämlich zwischen den vielen konkurrierenden Zeitentypen und -erfahrungen, die in einem sozialen Zusammenhang im Widerstreit stehen: unterschiedliche Geschwindigkeiten (um endlich beim versprochenen Stichwort zu landen), unterschiedliche Takte, unterschiedliche Zeit-Richtungen und Zeit-Formen. Auch hier gibt es keine Metainstanz, kein Übermetronom, das den Takt angibt … („Keine Atempause - Geschichte wird gemacht, es geht voran.“ Fehlfarben)
Mit großer und erstaunlicherweise zugleich leiser Geste kontrastiert Cyprien Gaillard solche ganz abrupten Zeit-Abschnitte oder Einschnitte wie etwa gesprengte und einstürzende Neubauten mit „natürlichen“ Zeitläufen, hier einem an Ewigkeit gemahnenden Wasserfall. Nicht jede große Geste muss peinlich sein – im Gegenteil: Cyprien Gaillard Video lässt den Besucher, wie ich finde, zu recht melancholisch und nachdenklich zurück.
Kopf und Sinn
Zurück auf Start. Zu Beginn seiner Vorlesung gibt Professor Holzapfel diesen Slogan aus: „Landschaft beginnt im Kopf.“ Ein Motto, das gemischte Gefühle auslösen könnte. Einerseits beginnt heute so vieles im Kopf. Erfolg beginnt dort, Nichtrauchen und Abnehmen sowieso. Man ist solche Dinge gewohnt und daher überrascht, dass sich Holzapfel damit anscheinend eine kleine Provokation erhofft hatte. Andererseits, fragt man sich natürlich: Wo beginnt der Kopf? Der „Kopf“ ist doch keineswegs das ursprüngliche Phänomen, von dem aus alles gedacht werden muss und kann. Und daher natürlich auch nicht die Landschaft. Oder?
In dem Vortrag und der nachfolgenden kurzen Aussprache waren, wie es sich schickt, auch eine Handvoll „Turns“ zugegen: Body-Turn, Iconic-Turn und einige mir bis dahin unbekannte … Die Moderne, wenn man so will, mag mit der Wende zum Subjekt begonnen haben, aber wie kann ein solcher „Landschaft-beginnt-im-Kopf-Slogan“ die diversen Turns, beginnend mit dem Linguistic-Turn und den vielen anderen in immer kürzeren Intervallen folgenden, eigentlich unbeschadet überstehen?
Raum, Google und Sinn
Vielleicht noch ein Aspekt hinterher: Über Google-Earth gelangen wir heute an jeden Ort der Welt – wenn auch nur virtuell. Bilder von jeder Ecke der Welt sind online hochauflösend für jeden verfügbar. Der Welt-Raum ist gewissermaßen implodiert. Cyprien Gaillard scheint ihn in seiner Arbeit bildhaft gesprochen wieder her stellen zu wollen. Er war immer auch wirklich da.
schrieb am 16.11.2008 23:40 Ich wußte nicht,was da auf mich lauert...Gehe straight durch Mäc-Geiz, da ich der Konsumgesellschaft trotze. Und? Wie erwerbe ich eigentlich eine Eintrittskarte? Zurück. Ein Kassenbon. Schaue kurz in die Spielothek, schwanke durch eine dunkle, ausgeplünderte Ausstellung und gerate in ein altbekanntes Terrain: Die 70er! Schäbig, aber voller Emotionen! Das Hausmeisterbüro! Was dann kam, war nur noch Emotion, Geselligkeit, Enge, Freude, Erinnerungen, Beklemmungen, Erkenntnisse, Liebreiz von Sachen, die man längst verdrängte, doch unschuldig, und für jedermann erfaßbar, im wahrsten Sinne...! Fantastisch!!! Die Hausmeisterwohnung!(Ich möchte nicht schwören, aber ich glaube, er ist einmal durchs Treppenhaus gelaufen, und ich habe nicht gerufen, da ich in seiner Bude war, ohne ihn zu fragen...Super schlechtes Gewissen!)
Ich könnte Stunden damit verbringen, meine Gefühle und Gesehenes zu beschreiben...Es war gut, mich doch auf Mäc-Geiz einzulassen, und danke dem "Schöpfer" in vielem Kunst zu sehen und intellektuell angespannt zu sein! (Als ich nach meiner Garderobenabholung auf Toilette wollte, sah ich erstmal nach, ob diese überhaupt angeschlossen war...Nein, es war keine Installation, in diesem Sinne! Ich durfte anfassen!)
Hallo, Rose! Viele Grüße an Thorsten!
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Die performativen Interventionen waren großartig!
Das Fridericianum scheint ein Ort der Kunst zu werden, der im Unterschied zu all den promoteten, gecasteten, gestylten und gehypten geldgeilen Kunstwarenhäusern durch seine Künstlerwahl deutlich macht: Kunst kann man nicht kaufen, sie muß sich im Betrachter ereignen, so wie sie sich im Künstler ereignet hat. Hier erlebt man: Im Kunstwerk kommt der Mensch zum Besten seiner selbst. Der Büchel und die Liden sind helle Sonnen deren Glanz uns den Weg weist. Ich hoffe dieser Ausstellungsort bleibt uns in dieser Qualität erhalten!
meine freundin fand die ausstellung ganz toll!
Gemischte Tüte
Unzusammenhängende Bemerkungen zu einem Vortrag von Professor Holzapfel über Cyprien Gaillards Pruitt-Igoe Falls
Holzapfel glaubt in der Arbeit Cyprien Gaillards etwas ganz Neues zu sehen. „Traditionelle“ Landschaftsdarstellungen haben nach Holzapfel, wenn ich ihn recht verstanden habe, ein Moment des „Integrativen“. Das heißt, so vermute ich, dass die einzelnen Elemente solcher Darstellung nicht einfach zufällig oder beziehungslos nebeneinander stehen, sondern zu so etwas wie einem Sinn-Ganzen integriert sind. Man könnte vielleicht auch sagen, dass eine solche Darstellung einer gewissen Logik folgt. Und hier, so habe ich es verstanden, sieht Holzapfel die „Innovation“ Cyprien Gaillards. Seine Natur- und Architekturlandschaften sind nicht mehr in dieser traditionellen Weise integriert, es stehen satt dessen disparate Elemente manchmal unverbunden nebeneinander – die Bildlogik ist gleichsam eine Unlogik geworden.
Ich hoffe, dass ich das einigermaßen richtig wiedergegeben habe. Sicher bin ich natürlich nicht, denn es liegen zwei Einwände auf der Hand, die Holzapfel eigentlich kaum entgangen sein können.
Erstens – neu?
Man kann unmöglich annehmen, dass das Aufheben oder Sprengen der inneren Bildlogik (oder vergleichbarem) für zeitgenössische Kunst oder Künstler etwas Neues darstellt. Vielmehr ist das – polemisch formuliert – eine Grundmelodie dessen, was man manchmal die Postmoderne nennt. Da wir, um gleich den passenden Jargon zu verwenden, das berühmte Ende der großen (integrierenden) Erzählungen erlebt haben, was heißt, dass wir keine (die pluralen und oft widerstreitenden Sprach- und Bildspiele übersteigende und integrierende) Metaperspektive mehr kennen oder zu kennen glauben, haben viele Künstler uns jenen „Scherbenhaufen“ zu zeigen versucht, vor dem wir stehen, wenn denn eine solche tadelnde Sprechweise überhaupt angemessen ist. Eine alles integrierende Brille können wir nicht mehr tragen, sie würde uns nur ein ganz verzerrtes Bild liefern – siehe die Brillenobjekte von Daniel Knorr, die im Vortragsraum zu sehen waren.
Zweitens – nicht integriert?
Cyprien Gaillard hat den Globus bereist und Bilder gesammelt. Ob diese nun eigentümlich oder archetypisch sind, ob sie unter ein Schema fallen oder sich solchem entziehen - wie auch immer: sie werden der kontingenten ästhetischen Form der Präsentation Cyprien Gaillards einverleibt. Was auch immer der Künstler vor Ort gesehen haben mag, wir sehen es bloß durch den gleichmachenden Fehlfarben-Filter der Polaroids. Sprich: wir sehen es eben nicht. Welche Stelle das Dargestellte im je besonderen Sinngefüge seines eigenen Kontextes auch hatte, es wird nun zu einer Stelle der hundert stets gleichbleibenden Rahmen und des gleichmachenden Rasters der sorgsam arrangierten Polaroids des Künstlers. Die Bilder werden alle gleich gültig. (Ein „Vorwurf“, der einem bekannt vorkommen mag :-) Der Künstler schafft somit seine ganz eigene gleichgeschaltete Bilderflut. Integration ist im Grunde das Hauptmerkmal dieses aufgeblätterten Archives. Und Integration kann eben immer auch Moment der Gewalt inne haben ... Was Holzapfel zum Aspekt der (Des-)Integration in Cyprien Gaillard Arbeit vorgetragen hat, war freilich nicht falsch, aber – wie soll ich sagen – vielleicht etwas undialektisch :-)
Zeit, Geschwindigkeit und Sinn
Holzapfel bietet eine Variation der Losung der Französischen Revolution als Charakterisierung der Moderne an. Statt von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit spricht er (falls mich meine Erinnerung nicht trügt) von Gleichheit, Selbstbestimmung und Geschwindigkeit. Der Begriff „Geschwindigkeit“ ist für meine Zwecke anschlussfähig :-) Also noch ein paar Sätze dazu: Wenn es stimmt, wie ich weiter oben angedeutet habe, dass es der Ort in einer Struktur ist, der den Sinn von etwas ausmacht, dann muss ich dringend hinzufügen, dass vieles (nicht alles) von dem was Cyprien Gaillard abpolaroidiert hat, von der Zeit längst überholt ist, weil die das Sujet tragende Struktur, das sinnstiftende Gefüge oft bereits verfallen ist. Sinn ist flüchtiger als Stein. Signifikanten, denen der lebendige Kontext abhanden gekommen ist, die also in gewisser Hinsicht tot sind, Grabsteine gleichsam, haben es Cyprien Gaillard besonders angetan.
Aber halt: Denn eigentlich ist diese strukturalistische Beschreibung nicht ganz richtig. Besser schriebe ich daher von Prozessen statt von Strukturen, um einen Begriff zu nutzen, dem Zeit gleichsam schon eingebaut ist. (Ich gehe damit in Gedanken einen Raum weiter zu Cyprien Gaillards bewegender Videoarbeit.)
Da für eine hauptsächlich ökonomisch prozessierende Gesellschaft Zeit in der Regel Zukunft heißt, werden eben hier und da Sprengungen des Vergangenen nötig :-) Eine solche Sprengung macht, wenn man so will, symbolisch einen unauflösbaren Konflikt sichtbar. Der Konflikt nämlich zwischen den vielen konkurrierenden Zeitentypen und -erfahrungen, die in einem sozialen Zusammenhang im Widerstreit stehen: unterschiedliche Geschwindigkeiten (um endlich beim versprochenen Stichwort zu landen), unterschiedliche Takte, unterschiedliche Zeit-Richtungen und Zeit-Formen. Auch hier gibt es keine Metainstanz, kein Übermetronom, das den Takt angibt … („Keine Atempause - Geschichte wird gemacht, es geht voran.“ Fehlfarben) Mit großer und erstaunlicherweise zugleich leiser Geste kontrastiert Cyprien Gaillard solche ganz abrupten Zeit-Abschnitte oder Einschnitte wie etwa gesprengte und einstürzende Neubauten mit „natürlichen“ Zeitläufen, hier einem an Ewigkeit gemahnenden Wasserfall. Nicht jede große Geste muss peinlich sein – im Gegenteil: Cyprien Gaillard Video lässt den Besucher, wie ich finde, zu recht melancholisch und nachdenklich zurück.
Kopf und Sinn
Zurück auf Start. Zu Beginn seiner Vorlesung gibt Professor Holzapfel diesen Slogan aus: „Landschaft beginnt im Kopf.“ Ein Motto, das gemischte Gefühle auslösen könnte. Einerseits beginnt heute so vieles im Kopf. Erfolg beginnt dort, Nichtrauchen und Abnehmen sowieso. Man ist solche Dinge gewohnt und daher überrascht, dass sich Holzapfel damit anscheinend eine kleine Provokation erhofft hatte. Andererseits, fragt man sich natürlich: Wo beginnt der Kopf? Der „Kopf“ ist doch keineswegs das ursprüngliche Phänomen, von dem aus alles gedacht werden muss und kann. Und daher natürlich auch nicht die Landschaft. Oder?
In dem Vortrag und der nachfolgenden kurzen Aussprache waren, wie es sich schickt, auch eine Handvoll „Turns“ zugegen: Body-Turn, Iconic-Turn und einige mir bis dahin unbekannte … Die Moderne, wenn man so will, mag mit der Wende zum Subjekt begonnen haben, aber wie kann ein solcher „Landschaft-beginnt-im-Kopf-Slogan“ die diversen Turns, beginnend mit dem Linguistic-Turn und den vielen anderen in immer kürzeren Intervallen folgenden, eigentlich unbeschadet überstehen?
Raum, Google und Sinn
Vielleicht noch ein Aspekt hinterher: Über Google-Earth gelangen wir heute an jeden Ort der Welt – wenn auch nur virtuell. Bilder von jeder Ecke der Welt sind online hochauflösend für jeden verfügbar. Der Welt-Raum ist gewissermaßen implodiert. Cyprien Gaillard scheint ihn in seiner Arbeit bildhaft gesprochen wieder her stellen zu wollen. Er war immer auch wirklich da.
Ich wußte nicht,was da auf mich lauert...Gehe straight durch Mäc-Geiz, da ich der Konsumgesellschaft trotze. Und? Wie erwerbe ich eigentlich eine Eintrittskarte? Zurück. Ein Kassenbon. Schaue kurz in die Spielothek, schwanke durch eine dunkle, ausgeplünderte Ausstellung und gerate in ein altbekanntes Terrain: Die 70er! Schäbig, aber voller Emotionen! Das Hausmeisterbüro! Was dann kam, war nur noch Emotion, Geselligkeit, Enge, Freude, Erinnerungen, Beklemmungen, Erkenntnisse, Liebreiz von Sachen, die man längst verdrängte, doch unschuldig, und für jedermann erfaßbar, im wahrsten Sinne...! Fantastisch!!! Die Hausmeisterwohnung!(Ich möchte nicht schwören, aber ich glaube, er ist einmal durchs Treppenhaus gelaufen, und ich habe nicht gerufen, da ich in seiner Bude war, ohne ihn zu fragen...Super schlechtes Gewissen!) Ich könnte Stunden damit verbringen, meine Gefühle und Gesehenes zu beschreiben...Es war gut, mich doch auf Mäc-Geiz einzulassen, und danke dem "Schöpfer" in vielem Kunst zu sehen und intellektuell angespannt zu sein! (Als ich nach meiner Garderobenabholung auf Toilette wollte, sah ich erstmal nach, ob diese überhaupt angeschlossen war...Nein, es war keine Installation, in diesem Sinne! Ich durfte anfassen!) Hallo, Rose! Viele Grüße an Thorsten!