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Mit der aktuellen Ausstellung von Danh Vo schließt die Kunsthalle Fridericianum vorerst ihre Türen, um die Räume für die dOCUMENTA (13) freizumachen. In den letzten vier Jahren, seit Rein Wolfs im Jahr 2008 die künstlerische Leitung im Fridericianum übernommen hat, standen vor allem große Einzelausstellungen auf dem Programm. Dabei lag das Augenmerk ebenso auf jungen, viel versprechenden Künstler/innen, als auch auf bereits gefestigten Positionen von internationaler Bekanntheit und Relevanz. Danh Vo referiert mit seiner Ausstellung JULY, IV, MDCCLXXVI explizit auf die Freiheit, ihre Facetten und auf unterschiedliche Auslegungen des Begriffs. Damit markiert er gleichzeitig ein programmatisches Schlussstatement dieser ersten Reihe von Solo-Ausstellungen in der Kunsthalle Fridericianum, ist doch Vos Beschäftigung mit Freiheit, Revolution, Utopie und Gewalt auch eine Verhandlung von Aspekten, die das Fridericianum als historische Stätte berührt und die Institution in ein gesellschaftlich-politisches Spannungsfeld rückt. Die Kunsthalle Fridericianum versteht sich ausdrücklich als Ort, an dem die Kunst als Protagonistin frei agieren kann, und steht für eine Haltung, die die Kunst vor allem als weitestmöglichen Denkraum verstanden wissen möchte. „Weniger Kunstwerke, die an ihrer eigenen formalen Praxis interessiert sind, sondern eine Kunst, die an ihre kommunikativen Fähigkeiten im Sinne einer menschlichen Sprache glaubt.“1 – Dieses Anliegen, das zu Beginn der ersten Periode von Rein Wolfs formuliert wurde, soll auch zukünftig Bestand haben.

Dafür, dass in Kassel nach einer documenta nicht mehr „das Licht ausgeht“, wie es Harald Szeemann noch 1972 skizzierte, ist also mittlerweile gesorgt. Die Kunsthalle Fridericianum hat sich auf dem Terrain der zeitgenössischen Kunst eine feste Position von internationalem Rang verschafft – nicht als Pausenprogramm zwischen den documenta-Ausstellungen, sondern als unabhängige Größe. Frei nach dem Zitat „Less Oil More Courage“ (Rirkrit Tiravanija) konnte die Kunsthalle ein Ort für mutige Experimente, neue künstlerische Haltungen und gesellschaftlich relevante Inhalte werden. Dieses Ziel gilt es auch ab 2013 wieder zu verfolgen, wenn die Kunsthalle Fridericianum erneut ihre Türen öffnet und ihr Programm nicht nur fortsetzt, sondern – dem bisherigen kuratorischen Credo folgend – mit neuen Ideen und Formaten aufwarten wird.

Eine Publikation, die alle Ausstellungen der Kunsthalle Fridericianum von 2008 bis 2011 dokumentiert, erscheint im Frühjahr 2012.


1 Rein Wolfs: Minderheiten, Außenseiter, Provokateure und andere Menschen

Pawel Althamer
Thomas Zipp, Geist ohne Körper, 2004
Nina Canell, Impulse Slight (detail), 2010
Gardar Eide Einarsson, Stainless Steel (Fine) IX, 2011
Andro Wekua, Never Sleep with a Strawberry in Your Mouth (production still), 2010
Piotr Uklanski, Ohne Titel (Tiger, Bursting), 1998
Matt Stokes, Paroxysm's rehearsal room, Kassel, 2010
Teresa Margolles, El testigo, Ciudad Juárez, 2010
Monica Bonvicini, No Head Man Portrait, 2008
Matias Faldbakken, untitled (garbage bag) # 7, 2010.
Danh Vo
Divo/Vectomov, Caspar Davids Brotaufstrich, 2010
Navid Nuur, 'Another window in my studio...', 2008-2009
Carlos Amorales, Nuevos Ricos (in collaboration with Julian Léde), 2009
Latifa Echakhch, Chambre, 2009
Meschac Gaba, Museum of Contemporary African Art, 1997 - 2002, the logo
Micol Assaël
Christoph Büchel, Deutsche Grammatik, 2008
Klara Lidén, poster painting, 2008
Rirkrit Tiravanija, LESS OIL MORE COURAGE, 2007
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Marc Bijl, The simple complexity of it all, 2008
Daniel Knorr, Scherben bringen Glück, 2008